Der Silberschatz von Sursee
Der Silberschatz von Sursee – ein aussergewöhnlicher Münzfund aus dem 19. Jahrhundert
Sursee blickt auf eine lange und vielseitige Geschichte zurück. Dass auch Münzen einen faszinierenden Teil dieser Vergangenheit erzählen können, zeigt ein aussergewöhnlicher Fund, der zu den bedeutenden neuzeitlichen Münzhorten der Zentralschweiz zählt: der Silberschatz von Sursee.
705 Silbermünzen aus mehr als 100 Jahren
Im Jahr 1982 kam bei Bauarbeiten an einem Gebäude in der damaligen Oberkircher-Vorstadt in Sursee ein bemerkenswerter Münzschatz zum Vorschein. Der Fund wurde allerdings erst viele Jahre später, im Jahr 2003, den zuständigen Fachstellen gemeldet und anschliessend wissenschaftlich untersucht.
Erhalten geblieben sind 705 Silbermünzen, deren Prägejahre von 1736 bis 1843 reichen. Zusammen bringen die überlieferten Silbermünzen rund 16 Kilogramm auf die Waage.
Damit handelt es sich keineswegs um ein paar zufällig verlorene Geldstücke. Die Zusammensetzung und die Menge sprechen für einen bewusst angelegten und verborgenen Geldbestand.
Bildquelle: KI
Münzen aus halb Europa
Besonders interessant ist die internationale Zusammensetzung des Schatzes.
Der grösste Teil der Münzen stammt aus Frankreich. Daneben finden sich Prägungen aus dem habsburgisch-österreichischen Raum sowie aus deutschen und italienischen Gebieten, Belgien und der Schweiz.
Vertreten sind vor allem grosse Silbernominale, darunter 5-Francs- und 5-Lire-Stücke sowie Kronentaler und Teilstücke davon.
Aus heutiger Sicht mag es ungewöhnlich erscheinen, dass in Sursee Geld aus zahlreichen verschiedenen Ländern und Herrschaftsgebieten verwendet wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dies jedoch durchaus charakteristisch.
Die moderne schweizerische Einheitswährung existierte noch nicht. Erst mit dem Münzgesetz von 1850 wurde der Schweizer Franken als einheitliche Bundeswährung eingeführt.
Warum wurde der Schatz versteckt?
Wer die Münzen einst zusammentrug und weshalb sie verborgen wurden, lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit beantworten.
Die jüngsten erhaltenen Münzen stammen aus dem Jahr 1843. Der Schatz dürfte daher um diese Zeit oder danach verborgen worden sein.
Denkbar ist, dass es sich um Ersparnisse oder Vermögen handelte, das an einem vermeintlich sicheren Ort aufbewahrt wurde. Banken und moderne Finanzdienstleistungen standen der Bevölkerung damals nicht in der heutigen Form zur Verfügung. Bargeld, insbesondere grössere Silbermünzen, stellte einen wichtigen Teil des persönlichen Vermögens dar.
Warum der Besitzer seinen Schatz später nicht mehr an sich nahm, bleibt eines der Geheimnisse des Surseer Münzfundes.
Sogar eine Goldmünze soll zum Fund gehört haben
Die wissenschaftliche Dokumentation enthält noch ein besonders interessantes Detail.
Neben den heute erhaltenen 705 Silbermünzen soll ursprünglich auch eine Goldmünze vorhanden gewesen sein. Diese gilt jedoch ebenso wie möglicherweise weitere Münzen als verschollen.
Auch mehrere Rosenkränze werden im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Fund erwähnt. Sie sind ebenfalls nicht erhalten.
Damit dürfte der ursprüngliche Fund sogar umfangreicher gewesen sein als der heute wissenschaftlich dokumentierte Bestand.
Ein einzigartiges Zeugnis des damaligen Geldverkehrs
Für die Numismatik ist der Schatz vor allem deshalb von grosser Bedeutung, weil er einen unmittelbaren Einblick in den Geldumlauf im Raum Luzern kurz vor Einführung des Schweizer Frankens ermöglicht.
Welche Münzen tatsächlich vorhanden waren, aus welchen Ländern sie stammten und welche Nominale bevorzugt zurückgelegt wurden, lässt sich anhand eines solchen Hortfundes wesentlich konkreter nachvollziehen als allein anhand historischer Schriftquellen.
Der Surseer Schatz ist damit nicht nur eine Ansammlung alter Silbermünzen, sondern ein Stück Wirtschafts-, Geld- und Alltagsgeschichte der Region Sursee.
Seine Bedeutung wurde auch wissenschaftlich gewürdigt. Das Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS) veröffentlichte 2003 eine eigene Monografie von José Diaz Tabernero unter dem Titel Ein Hortfund der Zeit um 1843 aus Sursee (LU).
Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung war der Surseer Fund erst der zweite bekannte Münzhort des 19. Jahrhunderts aus der Zentralschweiz.
Alte Münzen erzählen Geschichten
Der Silberschatz von Sursee zeigt eindrucksvoll, dass historische Münzen weit mehr sein können als ihr reiner Metallwert.
Prägeort, Jahrgang, Nominal, Erhaltung und Seltenheit können darüber entscheiden, ob eine Münze lediglich den Wert ihres Edelmetalls besitzt oder aus numismatischer Sicht wesentlich interessanter ist.
Gerade bei älteren Münzsammlungen, Nachlässen oder lange aufbewahrten Beständen lohnt es sich deshalb, die einzelnen Stücke fachkundig beurteilen zu lassen, bevor eine Entscheidung über Verkauf oder Verwertung getroffen wird.
Münzen & Edelmetalle in Sursee
Als Fachgeschäft für Münzen und Edelmetalle beschäftigen wir uns bei Goldankauf Sursee / Münzen Borchert täglich mit Gold- und Silbermünzen, historischen Prägungen, Münzsammlungen und Edelmetallen.
Der Silberschatz von Sursee verbindet diese numismatische Welt auf besonders schöne Weise mit der Geschichte unserer Stadt.
Wer alte Münzen, eine Münzsammlung, Goldmünzen, Silbermünzen oder einen Nachlass besitzt und nicht weiss, was sich darunter befindet, kann die Stücke bei uns in Sursee fachkundig begutachten lassen.
Denn manchmal verbirgt sich hinter einer unscheinbaren alten Münze mehr Geschichte – und möglicherweise auch mehr Wert – als zunächst vermutet.
Quellen und weiterführende Literatur
Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS): José Diaz Tabernero, Ein Hortfund der Zeit um 1843 aus Sursee (LU), IFS Band 7, Bern 2003.
Inventar der Fundmünzen der Schweiz: Dokumentationen und Bulletins zu Münzfunden im Kanton Luzern.
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